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Karl Rahner: Zweite Adventspredigt im Dom zu Münster

Автор: Münsteraner Forum für Theologie und Kirche

Загружено: 2025-12-13

Просмотров: 354

Описание: Nachzulesen ist die Predigt in überarbeiteter Form in K. Rahner, Ich glaube an Jesus Christus (Theologische Meditationen Bd. 21), Einsiedeln 1968, S. 30ff. und SW 22/1b, 2013, S. 689ff.

Auf YouTube veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten.

Ein herzliches Dankeschön gilt Bernhard Suermann für die Tradierung und Digitalisierung der Predigt.

Kurzkommentar zur zweiten Adventspredigt
Von Cornelia Dockter

Die zweite Adventspredigt, die Karl Rahner 1967 im Paulusdom zu Münster hielt, wendet sich – nach einer Betrachtung des Glaubens an Jesus Christus in der ersten Predigt – dem Inhalt dieses Glaubens, also Jesus Christus selbst, zu.
Rahner wirft zwei Fragen auf, die zwar getrennt voneinander betrachtet werden, sich jedoch gegenseitig bedingen.
Die erste Frage lautet: Warum ist es gerade niemand anderes als dieser konkrete Mensch Jesus von Nazaret, von dem Christen sagen, dass er derjenige ist, der in jedem Akt zwischenmenschlicher Liebe mitbejaht wird?
Die zweite Frage lautet: Wie kann verständlich gemacht werden, dass das existentielle Verhältnis des Menschen zu Gott im Glauben an Jesus Christus genau das ist, was die kirchlichen Dogmen formelhaft über Jesus Christus aussagen?
Die erste Frage zeigt bereits die große Weite des Denkens Rahners an. Vor dem Hintergrund einer sich immer stärker pluralisierenden und individualisierenden Welt wirft Rahner den berechtigten Zweifel auf, wie eine Religion behaupten kann, dass ausgerechnet der konkrete Mensch Jesus Christus – ein Mensch unter unzähligen anderen – die „einmalige, entscheidende, unüberholbare, von seiner Person nicht trennbare Antwort auf die Existenzfrage als Ganze“ sei. Es ist die für Rahner so typische Hinwendung zum Menschen und dessen konkreter Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz, von der aus er seine christologischen Überlegungen entwickelt. In Jesu Leben und Tod werde die Frage des Menschen nach dem Sinngrund seiner Existenz aufgenommen und in seiner Auferstehung endgültig beantwortet. Ein Zuspruch der Zusage Gottes an den Menschen an der konkreten Geschichte vorbei wird von Rahner ausgeschlossen. Das unendliche Geheimnis, das Gott ist, müsse in der Konkretheit – in der Kategorialität – der Geschichte erfahrbar werden und sich als Antwort auf den fragenden Ausgriff nach Sinn erweisen. Impliziert ist damit auch die Bedeutung menschlicher Freiheit, die Rahner mithilfe seines klassischen Axioms von einem gleichzeitigen Wachsen göttlichen Wirkens und menschlicher Freiheit erläutert.
So anschlussfähig Rahners vom Menschen ausgehende Christologie – bei aller sprachlichen Komplexität – auch heute noch ist, werfen seine Überlegungen zu dem Menschen Jesus Christus doch Fragen auf: Wie kann die Rede von Jesus Christus als unüberholbarer Selbstzusage Gottes so formuliert werden, dass sie einer Wertschätzung anderer Religionen und Weltanschauungen nicht im Wege steht? Wie kann in einer zunehmend säkularisierten und naturwissenschaftlich geprägten Welt überhaupt gedacht werden, dass in einem Menschen der Anspruch, Gottes unüberholbare und irreversible Selbstzusage an die Welt zu sein, tatsächlich wahr und nicht bloß unglaubwürdige Anmaßung ist?
Rahner weist selbst einen Weg, wie dieses Denken möglich ist, womit wir zu seiner zweiten Frage kommen. Er hält fest: Der Glaube an Jesus Christus ist in vielen Fällen weder das Resultat überzeugenden theologischen Sprechens noch die Folge einer verstehenden Annahme dogmatischer Formeln. Der Glaube an Jesus Christus habe seinen Ort in den Beziehungen der Menschen untereinander und in der Hoffnung, dass die Liebe, die Menschen sich gegenseitig zusagen, nicht nur etwas Vorläufiges ist. In jedem Eingehen auf das Wagnis der Liebe werde der Glaube an Jesus Christus als Garant der Endgültigkeit von Liebe implizit mitgesetzt. Rahner zeigt hier seine Sensibilität für die Bedeutung einer existentiellen Aneignung des Christusgeheimnisses. Die Wahrheit und Normativität der klassischen Formeln christologischen Denkens werden positiv gewürdigt, zugleich aber wird die Sprache des Dogmas vorsichtig kontextualisiert. In den vielen Momenten des Alltags, in denen Menschen Sinn gegen Sinnlosigkeit setzen, werde das erfahrbar, was die Kirche mit dem Begriff „Inkarnation“ umschreibt: „eben dieses Zugleich von Gottes Selbstzusage und menschlicher Annahme der Selbstzusage“.

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