Karl Rahner: Dritte Adventspredigt im Dom zu Münster
Автор: Münsteraner Forum für Theologie und Kirche
Загружено: 2025-12-20
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Nachzulesen ist die Predigt in überarbeiteter Form in K. Rahner, Ich glaube an Jesus Christus (Theologische Meditationen Bd. 21), Einsiedeln 1968, S. 49ff. und SW 22/1b, 2013.
Auf YouTube veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten.
Ein herzliches Dankeschön gilt Bernhard Suermann für die Tradierung und Digitalisierung der Predigt.
Kurzkommentar zur dritten Adventspredigt
Von Jörg Nies SJ
Die dritte Adventspredigt, die Karl Rahner 1967 im Dom zu Münster hielt, hätte – in Anlehnung an seine charakteristisch sperrige Diktion – den Titel tragen können: „Überlegungen zur je einmaligen und persönlichen Beziehung eines Christen zu Jesus Christus“. Griffiger formuliert, lautet die zentrale Frage: Wie ist meine Beziehung zu Jesus? Weil diese Frage jedoch nur individuell zu beantworten ist, zeigt sich eine erste grundlegende Schwierigkeit. Vermutlich liegt hierin ein wesentlicher Grund dafür, dass das Thema – wie Rahner bemerkt – in der durchschnittlichen Dogmatik kaum behandelt wird und stattdessen dem Bereich des geistlichen Lebens und der Mystik überlassen bleibt, wo es jedoch ebenfalls randständig bleibt.
Rahner greift diese fundamentale Frage nach der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus auf. In seinem Ansatz will er sowohl das Abstrakte theologischer Prinzipien als auch das Konkrete eines gelebten Glaubens zusammenbringen. In der Spannung dieser beiden Pole lässt sich aber eine „existentielle Christologie“ skizzieren. Wesentlich dafür ist eine Dynamik, die aus der Unabgeschlossenheit des Glaubens entsteht: „Man ist immer Christ, um es zu werden.“ Für Rahner gibt es zudem fließende Übergänge zwischen einem impliziten anonymen Christentum und einem expliziten glaubenden Hören. Damit ist prinzipiell niemand von einer Glaubensdynamik ausgeschlossen.
Wer mit Rahners Theologie vertraut ist, wird in den Ausführungen dieser Predigt seine inhaltlich wie sprachlich charakteristische Prägung erkennen. Für Rahner ist die existentielle Erfahrung zentral. Angesichts des Todes eines geliebten Menschen kann diese Erfahrung zu einem „Analogon“ werden, bei dem durch den Blick der Liebe ein Ereignis der Ewigkeit erkennbar wird. Es ist gerade die Einheit und Größe der Erfahrung einer absoluten Bejahung, die Rahner einer „Zerfällung“ entgegenhält, welche durch die traditionelle Unterscheidung von Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung des Fleisches geschehe.
In der persönlichen, ja intimen, Liebe zu Jesus Christus wird eine Erfahrung der Annahme und der Teilhabe am Leben Jesu möglich. Für Rahner lässt sich diese Beziehung durch zwei Ansätze erschließen. Der Zugang „von oben“ geht von der menschlichen Wirklichkeit Christi aus, in der die bleibende Vermittlung zur Unmittelbarkeit Gottes begründet liegt. Die Nächstenliebe hingegen setzt „von unten“ an. Sie muss entfaltet werden, kann dann aber in Gott ihren Grund und „geheimnisvollen Mitpartner“ erkennen. So verwirklicht sich die Liebe nicht nur, sondern transzendiert sich zugleich. Diese Transzendenz bleibt jedoch nicht abstrakt, sondern findet in Jesus ein konkretes Gegenüber, ein „Du“. Jesus ist daher das „Absolutum Concretissimum“.
Rahner ringt um die Dimension des Konkreten, die durch die Thematik der Predigt vorgegeben ist. Er sieht darin mehr als nur ein methodisches Problem der Reflexion; es geht ihm auch darum, die Relevanz einer gelebten Praxis einzufordern. Das Handeln, die Schrift, die Sakramente und die Gemeinschaft der Gläubigen sind daher nicht nur Konsequenz, sondern Voraussetzung, um das Geheimnis Gottes zu verstehen. Abstrakte Theorien oder Normen verschwinden zwar nicht, sie werden aber durch einen geschichtlichen Vollzug der Selbstmitteilung Gottes aufgehoben, der wiederum einen konkreten Anruf enthält. Dieser Anruf ist für Rahner in einer Mystik der Liebe erkennbar. Aus der Liebe erwächst ein tiefes Verständnis, das zu Jesus Christus führt und durch das Zeichen des Kreuzes charakterisiert ist. In dieser Perspektive wird das eigene Leben sowohl als Gnade als auch als Last deutlich. Diese Doppelheit, die sich immer wieder findet, macht Rahner auch in der begrifflichen Dogmatik und in der Gnade der Bewegung, die zum Nächsten und zu Gott führt, aus. Ziel ist es, diese beiden Momente immer mehr zur Deckung zu bringen, sodass die Dogmatik durch das Dasein interpretiert werden kann.
Für Rahner steht fest, dass alle Anfänger im Christentum sind, dass alle Christen sind, um es noch zu werden. Wie dies gelingen kann und wie eine persönliche Beziehung zu Christus gelebt werden kann, ist nicht der Reflexion allein überlassen. Deshalb schließt Rahner seine Predigt auch mit einem Gebet ab. In diesem bleibt er ebenso Theologe, wenn er zunächst betend bejaht, dass alle Dogmatik über Jesus Christis gut ist. Sie ist es aber nur, insofern sie Jesus Christus selbst verdeutlicht und durch das Leben interpretiert.
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