Mario von Galli SJ: Das kommende Konzil
Автор: Münsteraner Forum für Theologie und Kirche
Загружено: 2025-12-07
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Auf YouTube veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Stephan Yen O.Cist. und des Archivs der Schweizer Jesuitenprovinz.
„Weil Christentum zuerst Leben ist“: Ein Vortrag Mario von Gallis zum kommenden Konzil aus dem Jahr 1961
Von Regina Heyder
Wer Mario von Gallis Vortrag aus dem Jahr 1961 hört, reibt sich zunächst verwundert die Augen – ist der Jesuit, Theologe und Journalist von Galli (1904-1987) wirklich ein Konzilsskeptiker? Tatsächlich beginnt der Vortragsredner mit der Feststellung, „dass allgemeine oder ökumenische Konzilien keine Notwendigkeit für den Bestand der Kirche sind. Christus hat eine Hierarchie und einen Nachfolger Petri als die Spitze der Hierarchie der Kirche eingestiftet.“ Damit liegt von Galli auf der Linie vieler, die mit der Konstitution „Pastor aeternus“ des Ersten Vatikanischen Konzils das grundsätzliche Ende aller Konzilien eingeläutet sahen. Mit dem Jurisdiktionsprimat des Papstes und der Unfehlbarkeit ex cathedra schienen diese aufwändigen Versammlungen nicht mehr nötig. Auch angesichts der immensen Zahl von Konzilsteilnehmern sei auf dem künftigen Konzil „eine richtige Aussprache von Mensch zu Mensch ... wohl kaum noch möglich“.
Wer von Gallis Vortrag weiter folgt, dem wird klar: Der Journalist bedient in gut jesuitischer Dialektik zunächst die „Defätisten“ (die sich „Realisten“ nennen), um dann seine fundierten Erwartungen an das Konzil zu formulieren. Er erinnert daran, dass schon bei den Vorgängerpäpsten Pius XI. und Pius XII. die Konzilsidee im Raum stand, aber nicht realisiert wurde. Die Grundentscheidung Johannes XXIII. sei nun, den „Hauptakzent“ nicht auf die Lehre, sondern auf das Leben zu legen.
Damit kommen Fragen der Inkulturation ins Spiel: Das Konzil solle sich bei all jenen Themen zurückhalten, die regional unterschiedliche Antworten verlangen, weil „gerade bei Fragen der Seelsorge ... die kulturelle Lage von entscheidender Bedeutung“ ist. Als Beispiel wählt er die Muttersprache in der Liturgie, die je nach Lage fast eine „pastorale Notwendigkeit“ oder ein „Hindernis“ sein könne. Seine Lösung, für die er sich auf Johannes XXIII. beruft: Das Konzil müsse eine „Gesamtlinie“ entwickeln, „die der ganzen Kirche einen missionarischen Stempel aufdrückt“ – und Einzelfragen an Bischöfe und Bischofssynoden delegieren. Tatsächlich hatten Einzelpersonen und Laienverbände 1961 bereits eine „Flut von Vorschlägen“ für das kommende Konzil gemacht, die auch publizistisch aufgegriffen wurden. Galli nennt u. a. Liturgie, Katechese, Laien, Weltmission, Hunger, allgemein weltanschauliche Fragen wie Materialismus, Kommunismus, Technik, Entstehung der Welt und des Menschen (die Enzyklika „Humani generis“ Pius XII. war erst elf Jahre alt), ökumenische und ökonomische Fragen.
„Einheit in Vielfalt“ müsse deshalb das Ziel des Konzils sein; „Zentralisation und Dezentralisation in einem“. Das hat Auswirkungen auf das Papstamt: „Nicht die Kirche muss vom Papst her gesehen werden (das wäre totalitär), sondern der Papst von der Kirche her“.
Von Gallis besonderes Augenmerk gilt der Teilnahme von Laien am Konzil. Der CIC von 1917 sah die Möglichkeit vor, dass sie mit Sitz und beratender Stimme in die Konzilsversammlung berufen werden. Von Galli forderte eine verbindliche Regelung für die Teilnahme von Laien an künftigen Konzilien. Im Hintergrund steht, dass Pius XI. in seiner Antrittsenzyklika Ubi arcano (1922) erstmals den Begriff „Apostolat“ mit den Aktivitäten von Laien verband; zuvor war er für den Klerus reserviert gewesen. Seit den 1950er Jahren mehrten sich Abhandlungen zur Theologie des Laienstandes. An erster Stelle sind hier Gerard Philips, De leek in de Kerk (1952) und Yves Congar, Jalons pour une théologie du laïcat (1953) zu nennen.
Manche Postulate erfüllen sich rascher als vermutet: Auf persönliche Einladung Johannes XXIII. sollte der französischen Philosoph Jean Guitton 1962 als einziger Laie bereits an der ersten Sessio teilnehmen. Bis zum letzten Jahr 1965 sollte die Zahl der Laienauditor:innen auf insgesamt 29 Männer und 23 Frauen anwachsen. Dabei hatte es eigener Anstrengungen und Strategien bedurft, um Frauen in den Kreis der Auditoren einzubeziehen, was tatsächlich mit nur einjähriger Verspätung 1964 gelang. Allerdings hat das Konzil die Teilnahme von Laien nicht verbindlich geregelt. Für die vom Konzil eingerichtete Bischofssynode blieb dies Papst Franziskus vorbehalten, unter dem 2023 auch die „nichtbischöflichen“ Synodenmitglieder Stimmrecht erhielten.
Mario von Galli, der Chefredakteur der „Orientierung“, wurde durch Publikationen, Vorträge und Bildbände zu einem der wichtigsten Multiplikatoren des Konzils in deutschsprachigen Raum. Ein Diktum ging in das kollektive Gedächtnis ein – „Kirche, was bist du jung, Kirche wie bist du schön“, rief er 1964 in Stuttgart den Katholikentagsbesucher:innen zu. Schon nach der zweiten Sessio war er gewiss, dass das Konzil im Leben von Christ:innen ankommen würde.
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