Merkel & zu Guttenberg trauern um deutsche Soldaten
Автор: Geschichtsstunde
Загружено: 2010-04-10
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Mehr als tausend Menschen haben von den in Afghanistan getöteten Soldaten Abschied genommen. Erstmals nahm auch Kanzlerin Angela Merkel an einer Trauerfeier für Gefallene teil. Sie verteidigte den Einsatz am Hindukusch. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg versuchte, den Familien der Opfer Trost zuzusprechen.
Die Grausamkeit des Krieges in Afghanistan hat Angela Merkel direkt vor Augen. Nur wenige Schritte von der Kanzlerin entfernt sind die drei Särge und Porträts der nahe Kunduz gefallenen Soldaten aufgebahrt. Neben und hinter der Kanzlerin sitzen die Angehörigen und Freunde der Toten. Die Sankt-Lamberti-Kirche in Selsingen ist klein. Die Trauernden müssen zusammenrücken.
In der niedersächsischen Provinz nimmt das Land Abschied von den Männern. Mehr als tausend Soldaten und Bürger sind am Freitag in den kleinen Ort Selsingen gekommen, die meisten passen gar nicht in die Kirche. Sie schauen auf einer Leinwand im Freien zu. An den Ortsschildern hängt Trauerflor. Nur wenige Kilometer entfernt, in der Kaserne Seedorf, waren Nils Bruns, Robert Hartert und Martin Augustyniak stationiert. Erst Ende Februar brachen sie mit ihren Kameraden nach Afghanistan auf. Am Karfreitag wurden sie bei Gefechten mit Taliban nahe Kunduz erschossen. Sie wurden 35, 25 und 28 Jahre alt.
Nun sitzen Freunde und Angehörige in der kleinen Dorfkirche fassungslos vor den Särgen der drei Toten. "Befürchtet hatten wir diesen Tag, aber wir hatten gehofft, dass er uns erspart bleibt", sagt Militärdekan Hartmut Gremler. Schon 39 Soldaten sind beim Einsatz in Afghanistan gestorben. Nun nimmt die Kanzlerin zum ersten Mal an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teil. Erst in letzter Minute sagte Angela Merkel ihr Kommen zu - wohl auch, weil der öffentliche Druck zu groß wurde. Nun sitzt sie inmitten der Angehörigen und Freunde der Toten in der ersten Kirchenbank. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in der Bankreihe neben ihr Platz genommen.
Angela Merkel ist Politikerin, eine Trauerrednerin ist sie nicht. Statt persönlicher Worte setzt sie auf politische Ausführungen. Die Kanzlerin verteidigt das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan und spricht über den Wiederaufbau. "Ich stehe sehr bewusst hinter diesem Einsatz", sagt sie. Er sei nötig, "weil er der Sicherheit unseres Landes dient". Der Einsatz in Afghanistan werde "nicht einen Tag länger dauern als erforderlich". Einen konkreten Abzugstermin nennt die Kanzlerin nicht.
Das Völkerrecht bewerte die Lage in Afghanistan als nicht internationalen bewaffneten Konflikt, führt sie aus. Viele Soldaten aber sprächen von Bürgerkrieg oder Krieg. "Und ich verstehe das gut", sagt Angela Merkel. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wählt klarere Worte: "Was wir am Karfreitag in Kunduz erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch", sagt er. Seine Rede wirkt wie das Kontrastprogramm zur Kanzlerin - vielleicht haben die beiden es auch so abgesprochen.
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