Orazio Benevoli - Missa in angustia pestilentiae | WDR Rundfunkchor
Автор: ARD Klassik
Загружено: 2020-10-01
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Orazio Benevolis "Missa in angustia pestilentiae" führte der WDR Rundfunkchor unter der Leitung seines Chefdirigenten Nicolas Fink am 25.09.2020 in der Kirche St. Aposteln in Köln auf. Die besonders distanzierte Aufstellung der Sänger*innen berücksichtigt dabei nicht nur die Corona-Schutzregelungen, sondern spiegelt auch die Historie des Werkes wieder, das bereits in seiner Entstehung in früheren Pandemiezeiten für autonom agierende Stimmen konzipiert worden war.
00:00:00 I. Kyrie
00:07:00 II. Gloria
00:13:48 III. Credo - Crucifixus - Et in Spiritum Sanctum
00:26:32 IV. Sanctus
00:28:54 V. Agnus Dei
WDR Rundfunckchor
Hartwig Groth, Violon
Roderick Shaw, Orgel
Nicolas Fink, Leitung
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○ Werkeinführung
"Die Pest ließ die Herzen der Menschen erstarren. Der Bruder verließ den Bruder und häufig auch die Frau ihren Gatten. Väter und Mütter vermieden es, ihre Kinder zu pflegen, als ob sie Fremde wären.« So beschreibt der italienische Dichter Giovanni Boccaccio Mitte des 14. Jahrhunderts die Folgen der Pestepidemie, des gefürchteten »Schwarzen Todes«.
Drei Jahrhunderte später waren diese Schrecken keineswegs vergessen. Im Herbst 1656 durchstreifen seltsame Gestalten die Straßen von Rom: Pestdoktoren! Um sich vor der Seuche zu schützen, tragen sie spezielle Masken, in deren Schnabel Wacholder, Kampfer und Melisse eingelegt sind. Eine Million Todesopfer sollte die Seuche diesmal in Italien fordern. Und es wäre wohl noch schlimmer gekommen, hätte nicht Papst Alexander VII. entschlossen gehandelt, um die Ausbreitung einzudämmen. Als auch weltlicher Herrscher über den Kirchenstaat trägt der Papst doppelte Verantwortung. Alexander verbietet alle größeren Menschenansammlungen – auch religiöse, das heißt Gottesdienste und Prozessionen. Und er lässt ein Netz von Lazaretten einrichten, das die Kranken in Kategorien einteilt; Ziel: die Infizierten rasch isolieren, wobei allen Kontaktpersonen Quarantäne auferlegt werden soll.
In dieser angespannten Situation entsteht die Missa »In angustia pestilentiae«, eine Messe zur Bekämpfung der Seelenangst, die durch die Pest ausgelöst wird. Ihr Komponist ist Orazio Benevoli (1605–1672), gebürtiger Römer, Sohn eines aus Lothringen eingewanderten Zuckerbäckers. Als Zwölfjähriger wird Orazio Chorknabe. Mit Anfang 30 finden wir ihn als Kapellmeister an verschiedenen römischen Kirchen. Nach Dienstjahren in Wien am Hof eines Habsburger Erzherzogs
kehrt Benevoli zurück nach Rom und steigt 1646 auf zum Chorleiter der ehrwürdigen »Cappella Giulia« am Petersdom. Im Schreckensherbst 1656 beauftragt das Kapitel der päpstlichen
Basilika Orazio Benevoli mit einer feierlichen Messe. Diese Missa soll die Barmherzigkeit Gottes beschwören, der Epidemie ein Ende zu setzen.
Am 18. November 1656, auf dem Höhepunkt der Pestwelle, wird diese Messe zum ersten Mal aufgeführt; Benevoli selbst leitet die »Cappella Giulia« – in einer Basilika mit geschlossenen
Türen, um weitere Ansteckung zu verhindern. 1656 stehen auf der Gehaltsliste der Capella: vier Bassstimmen, fünf Tenöre, fünf Altstimmen und sechs Knabensoprane. Benevolis Messe ist angelegt für vier jeweils vierstimmige Einzelchöre und eine Orgel. Die Ensemblestärke der Capella zeigt, dass diese Messe weitgehend solistisch uraufgeführt worden ist. Kraftvoll mussten die Stimmen sein und ausreichend autonom, um ihre Parts auszuführen – um im riesigen nördlichen Schiff des Petersdoms nicht unterzugehen! Vertont hat Benevoli die Texte des »Ordinarium Missae« – mit klaren, einfachen Melodien, die den Palestrina-Stil widerspiegeln. Zu Beginn jedes Messteils stimmen die vier Chöre nacheinander ein; während sich die Stimmen gegenseitig verfolgen, kommen sie einander musikalisch immer näher. In beiden »Kyrie«-Sätzen erheben sich leuchtend die Stimmen, um das Ende der Pest zu erflehen. Das »Christe« schlägt – ohne Bassstimmen – einen intimeren Tonfall an. Das »Gloria« enthält Teile, in denen die Texte dank der homorhythmischen Stimmführung besonders klar artikuliert sind. Das »Credo« ist der längste und komplexeste Teil der Messe und gliedert sich in drei Hauptabschnitte: »Patrem omnipotentem«, »Crucifixus« und »Et in Spiritum Sanctum«. Besonders eindrucksvoll ist die Akkordfolge von »Et incarnatus est«, bei der sich die 16 Stimmen kurz zu einer Stimme vereinigen. Im »Cruzifixus« singen zunächst acht hohe Stimmen, bis sich zum Finale die Chöre wieder in voller Stärke vereinigen, betont rhythmisch und zuversichtlich. Die Schlusssätze »Sanctus« und »Agnus Dei« sind knapp gehalten und greifen auf Elemente zurück, die schon zuvor erklungen sind.
(Text: Oliver Cech)
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