Geld verbrennen für Fortgeschrittene: Die absurde Logik der Silvester-Knallerei
Автор: Ian DeBay's Podcasts
Загружено: 2026-01-01
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In den langen, dunklen Nächten des Winters gibt es ein Phänomen, das die Menschheit wie kaum ein anderes spaltet und gleichzeitig eint: der Böller. Man könnte meinen, wir hätten uns endlich auf etwas geeinigt. Egal ob jung oder alt, links oder rechts, Mensch oder Haustier – wir alle hassen diese lärmenden Sprengkörper. Doch die Realität auf den Straßen von Oktober bis März straft diese Annahme Lügen. Offensichtlich gibt es eine treue Fangemeinde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die nächtliche Ruhe mit einer Mischung aus Tinnitus-Gefahr und Feinstaub-Aroma zu bereichern. Dabei beweisen diese „Pyrotechniker des Alltags“ oft eine bemerkenswerte Kreativität bei der Wahl ihrer Einsatzorte.
Vom Krach in der Gasse zur Erleuchtung im Mistkübel
Ob Unterführungen, enge Gassen oder der klassische Mistkübel – Hauptsache, der Effekt ist maximal destruktiv. Dass dabei der Müll wie ein modernes Kunstprojekt an den Hauswänden landet oder manch eine Wohnung durch einen „netten“ Querschläger Heizkosten spart, scheint ein kollateraler Bonus zu sein. In der Unterführung hat das Ganze sogar einen fast schon sozialen Aspekt: Wenn dort ein Böller explodiert, gibt es zumindest einen kurzen Moment der Erleuchtung. Man kann plötzlich Dinge erkennen, wie etwa den zwielichtigen Schatten hinter einem, den man zwar nicht mehr hören kann, weil einem die Ohren klingeln, aber den man der Polizei wenigstens präzise beschreiben könnte – sofern die Beamten nicht gerade selbst damit beschäftigt sind, die Böllerschmeißer mit Nachschub zu beobachten.
Umweltschutz durch Beton und die Millionen im Schwarzpulver
Warum wir Böller eigentlich hassen, muss man niemandem erklären, der schon einmal versucht hat, am Neujahrsmorgen tief durchzuatmen. Wir betonieren unsere Umwelt zu, um sie zu schützen, und lassen dann zu, dass Asche und Lärm unsere Lungen und Gehörgänge füllen. Doch der wahre Preis ist nicht nur ökologisch. Es sind die traumatisierten Hunde, die sich in den hintersten Ecken verkriechen, die schreienden Kinder und die Kriegsflüchtlinge, für die jeder Knall eine Reise zurück in den Horror ihrer Heimat bedeutet. Während der Opa Angst hat, dass die Russen wiederkommen, scheint sich die junge Generation mit jedem Böllerwurf fast schon prophetisch auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Krach und Asche zum Alltag gehören. Es ist ein bizarrer Millionen-Wahnsinn: Wir verpulvern gigantische Summen in einer einzigen Nacht, nur um uns am nächsten Morgen über die Teuerung zu beschweren.
Die Suche nach dem Drogendealer und der Plan zur totalen Uncoolness
Man fragt sich unweigerlich, woher die Jugendlichen eigentlich das ganze Geld für diese explosiven Luxusgüter nehmen. Da nicht jeder Halbstarke ein erfolgreiches Business als Drogendealer führen kann – ich habe das überprüft, die Marktdichte ist überraschend gering –, bleibt die Herkunft der Mittel ein Rätsel. Vielleicht liegt der Reiz auch in der Gefahr der Billigimporte aus dem Internet. Ein zerfetzter Finger gibt schließlich ordentlich Klicks auf TikTok. Ich kann diese Jugendlichen sogar ein Stück weit verstehen. Früher war ich selbst einer von ihnen. Wir fühlten uns mächtig, wenn es knallte, und wir wussten schlichtweg nichts über die Umweltfolgen. Aber sollten die heutigen Erziehungsberechtigten nicht eigentlich schlauer sein? Verbote bringen herzlich wenig. Die einzige Lösung wäre, das Böllern radikal uncool zu machen. Wir, die ältere Generation, müssten anfangen, so richtig peinlich und exzessiv zu knallen, bis die Jugendlichen vor Scham nur noch heimlich in ihren Zimmern zündeln.
Die Raketen-Heuchelei der Dachterrassen-Elite
Doch während wir über Böller schimpfen, pflegen wir bei Raketen eine bizarre Doppelmoral. Raketen sind zwar genauso laut, umweltschädlich und gefährlich, aber sie sind halt „schön anzuschauen“. Da stehen selbst die kritischsten Bobos auf ihren teuren Dachterrassen, blicken angewidert, aber fasziniert in den Himmel und genießen das Lichtspektakel, während sie sich über den Lärm beschweren. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass früher vieles einfacher war – vor allem, als wir noch Radio hörten und nicht jederzeit alles streamen konnten. Silvester wird uns auch im nächsten Jahr wieder vor die gleiche Frage stellen, aber bis dahin genießen wir die (hoffentlich) böllerschwache Zeit. Ob du diese Zeilen im Frühling, Sommer oder tiefsten Winter liest: Ich wünsche dir einen schönen Tag, eine gute Nacht und vielleicht die Erkenntnis, dass wir den ganz großen Krach eigentlich gar nicht brauchen.
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