Die Bedeutung von Bindungsstilen für das Verständnis von AgE in der Beratung am IGPP
Автор: IGPP Freiburg
Загружено: 2026-01-15
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Vortrag von Dr. Wolfgang Fach & Annette Zwickel, M.Sc.
Außergewöhnliche Erfahrungen“ (AgE) sind Erfahrungen, die gemeinhin als „übernatürlich“, „außersinnlich“ oder „paranormal“ bezeichnet werden. Laut repräsentativen Umfragen haben mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben eine AgE. AgE werden oft als bereichernd empfunden und positiv verarbeitet, können aber auch sehr irritieren und Ängste auslösen. Menschen, die angesichts belastender AgE Bewältigungs- und Verarbeitungshilfen suchen, finden am IGPP ein qualifiziertes Beratungsangebot. Auch wenn drei Viertel der Ratsuchenden ebenfalls unter sozialen, gesundheitlichen oder psychischen Problemen leiden und mehr als ein Drittel schon einmal psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen hat, greift es zu kurz, AgE einfach als Ausdruck psychischer Störungen zu begreifen. AgE ergeben vor dem biografischen Hintergrund der Betroffenen meist „Sinn“ und erfüllen in der Selbstregulation wichtige Funktionen. In der AgE-Beratung lassen sich sechs typische AgE-Formenkreise („Außersinnliche Wahrnehmung“, „Internale Präsenz und Beeinflussung“, „Mediumismus und Automatismen“, „Sinnvolle Fügungen“, „Spuk und Erscheinungen“, „Nachtmahr und Schlafparalyse“) unterscheiden. Studien zeigen, dass sie mit systematischen Unterschieden in Bezug auf die Autonomie und Bindung (Partnerschaft, Familienstand, Wohnsituation etc.) der Betroffenen einhergehen. Es steht die Hypothese im Raum, dass häufig wiederkehrende und belastende AgE durch unsichere Bindungsstile induziert werden können. Die Bindungsforschung belegt, dass sich negative Bindungserfahrungen in früher Kindheit zu unsicheren Bindungsstilen im Erwachsenenalter ausprägen. Autonomie und Bindung sind Grundbedürfnisse, deren Bedrohung und Nichterfüllung der größte bekannte Risikofaktor für die Ausbildung psychischer Störungen ist. Wir vermuten, dass unsichere Bindung ebenfalls die Wahrscheinlichkeit von AgE erhöht, und argumentieren bezüglich des Verhältnisses von AgE und psychischer Auffälligkeit sowohl gegen eine Gleichsetzung als auch gegen einen unmittelbaren Kausalzusammenhang. Wir stellen Forschungsergebnisse und Modelle vor, mit denen entsprechende Korrelationen auf unsichere Bindung im Sinne eines gemeinsamen Nenners zurückgeführt werden können.
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