Die Prüfung der Vier Wächter – Maik Beutel
Автор: Beutels Mär
Загружено: 2026-02-16
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Die Prüfung der Vier Wächter
nach einem Märchen von Maik Beutel
Gesprochen von Erik Mikason
Die Prüfung der Vier Wächter
den Tagen, da die Sonne hinter Schleiern wanderte und der Nordwind die Spuren der Menschen aus dem Schnee wischte, lag am Rande eines weiten Fjords das Dorf Skalfvik. Die Winter wurden kälter, die Stürme wütender und selbst die erfahrenen Fischer fanden keine Fische mehr. Die Alten sagten: „Die Landvættir haben sich abgewandt. Das Land schweigt.“ Doch es gab ein Mädchen im Dorf, das noch lauschte. Sie hieß Runvid, und ihre Großmutter hatte ihr beigebracht, auf den Herzschlag der Erde zu hören und die Zeichen in Wind, Wasser und Stein zu deuten.
In der zwölften Winternacht erschien Runvid im Traum eine Gestalt aus Nebel. Sie trug Hörner wie ein Hirsch, Augen wie das Licht auf Wasser und sprach mit vier Stimmen zugleich: „Das Land hat vergessen, wer es einst ehrte. Willst du, Kind, das Band erneuern, dann tritt ein in den Kreis der Vier. Doch sei gewarnt: Wer lügt, zerbricht. Wer flieht, wird vergessen. Wer aber wahr ist dem öffnen wir das Herz des Landes.“ Am Morgen verließ Runvid das Dorf, barfuß, nur mit einem Umhang aus geerbter Wolle und einem Stein ihrer Ahnen in der Tasche.
Tief im Fjell, wo die Birken sich verneigen und der Wind kein Lied mehr trägt, fand sie den Kreis: Vier uralte Monolithen, jeder in eine Himmelsrichtung gewandt. Um sie wuchs kein Moos, kein Kraut, als hielte der Boden selbst den Atem an. Kaum trat sie in die Mitte, legte sich ein Nebel über die Welt. Und einer nach dem anderen erschienen die vier Wächter, die Landvættir des Landes.
Das erste der Wesen war Dreki, der Drache des Ostens, ein leuchtendes Wesen aus Flammen und Asche. Es erhob sich aus dem Stein im Osten. „Ich bin der Wille. Was wirst du opfern, um das Gleichgewicht wiederherzustellen?“ Runvid legte den Stein ihrer Ahnen in den Schnee. „Alles, was ich war, wenn es dem Land dient.“ Der Drache schwieg und schmolz. Das zweite der Wesen war Griðungur, der Stier des Südens, ein schwarzer Stier. Aus Fels und Erde stampfte er aus dem Boden. „Ich bin die Kraft. Wirst du standhalten, wenn das Dorf dich verlacht, das Land dich prüft und kein Dank dich findet?“ Runvid sah ihm ruhig in die moosgrünen Augen. „Ich diene nicht für Ruhm. Nur für das Leben.“ Der Stier senkte den Kopf und zerfiel zu Staub. Der dritte der Landvættir war Gammur, der Adler des Nordens. Aus dem Himmel stürzte er aus Sturm und Schatten herab. „Ich bin der Blick. Was siehst du, wenn du in die Zukunft blickst?“ Runvid antwortete: „Schmerz und Hunger. Aber auch Hoffnung. Und die reicht.“ Der Adler erhob sich und verging in Licht. Das vierte Wesen aber war Bergrisi, der Riese des Westens. Zuletzt trat er aus Eis und Nebel vor. Seine Stimme war wie brechendes Gestein: „Ich bin die Erinnerung. Was wirst du bewahren, wenn die Welt sich wandelt und vergisst?“ Runvid sprach: „Die Stille des Waldes und seine Wege, die Lieder und Märchen der Alten und die Namen derer, die vergessen wurden.“ Der Riese lächelte und löste sich im Wind auf.
Der Nebel verzog sich. Der Boden vibrierte unter ihren Füßen. Moos begann zu sprießen, wo sie stand. Vögel sangen ein erstes, zartes Lied. Und über ihr zogen Nebelschwaden in Form eines Hirsches... das Zeichen des Landes. Runvid kehrte ins Dorf zurück. Der Wind war milder. Das Eis auf dem Fjord begann zu schmelzen. Die Quellen flossen und das erste Kind, das im Frühling geboren wurde, erhielt den Namen Vættrson Sohn der Wächter.
„Nicht alle hören die Stimme des Landes.
Doch wenn einer sie hört und antwortet mit Demut, dann antwortet auch das Land.“
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