Zur Frage des Gebrauchswertfetischismus - Ein Vortrag von Kornelia Hafner (2012)
Автор: TheNokturnalTimes
Загружено: 2018-01-26
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"Bemerkungen zur Frage, warum der Begriff des Gebrauchswerts sich nicht als revolutionstheoretische Kategorie eignet." (Text, Quelle & Mp3: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/...)
Die Auseinandersetzung mit den Kategorien der politischen Ökonomie, insbesondere des Gebrauchswerts, darf keinesfalls in einem simplen Dualismus verharren. Die Gefahr des "Gebrauchswertfetischismus" liegt genau darin, ein vermeintlich "reines" oder "urkommunistisches" Moment der Gebrauchswertigkeit zu idealisieren und als externen Gegenpol zum Kapital zu setzen. Dies verkennt die immanente Dialektik der kapitalistischen Produktionsweise.
Der Gebrauchswert ist unter den Bedingungen des Kapitals nicht einfach eine außerkapitalistische Entität, sondern ein *internes Moment der Wertverwertung*. Er ist die stoffliche Hülle, die vom Kapital als Träger für seine selbstzweckhafte Bewegung benötigt wird. Die lebendige Arbeit, der Gebrauchswert der Arbeitskraft, ist die entscheidende Quelle, durch die das Kapital sich selbst vermehrt. Die Vorstellung, man könne durch die Produktion "guter" Gebrauchswerte dem Kapital entfliehen, ist naiv. Sie ignoriert, wie das Kapital diese Produktion selbst als Mittel zur Steigerung seiner Macht integriert und deformiert. Jede sinnliche Qualität, jedes Bedürfnis wird in diesem Prozess durch die Wertform durchdrungen und verdinglicht.
Die Krise des Kapitalismus entspringt nicht primär aus einem Mangel an "guten" Gebrauchswerten oder einer Entfremdung von ihnen, sondern aus den *immanenten Widersprüchen der Wertform selbst*. Die Möglichkeit der Krise ist im Prozess der Verwertung angelegt, wo der Gebrauchswert des Produkts zwar notwendig ist, aber im Prozess der Realisierung (Verkauf) als ungenügend oder unnötig vernichtet werden kann, weil die Verwertungslogik des Kapitals Vorrang hat. Die Grenzen, an die das Kapital stößt, sind die von ihm selbst geschaffenen Grenzen. Ein Denken, das diese inneren Verwerfungen nicht begreift und stattdessen nach einem äußeren "Sündenbock" oder einem idealisierten Rückzugsort sucht, bleibt an der Oberfläche der Erscheinungen haften.
Eine wahrhaft transformative Kritik muss die historische Spezifität und die Totalität der kapitalistischen Vermittlungsformen begreifen. Sie darf nicht die abstrakte Arbeit als transhistorische Größe missverstehen, sondern muss ihre spezifische Form im Kapitalismus als jene gesellschaftliche Abstraktion erkennen, die die Individuen und ihre konkreten Tätigkeiten unterwirft. Die "reale Abstraktion" des Werts formt nicht nur die Waren, sondern auch die Subjekte und ihre Beziehungen. Eine Befreiung kann daher nicht in der schlichten Wiederherstellung eines "naturwüchsigen" oder "authentischen" Gebrauchswerts bestehen, sondern muss die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst – die Form der Produktion, des Austauschs und der Distribution – fundamental umgestalten.
Der Kampf gegen das Kapital ist kein moralischer Appell an die "Nützlichkeit" oder "Bedürfnisse", sondern eine *konkrete Analyse und Revolution der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse*. Dies erfordert eine rigorose theoretische Arbeit, die die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie als "stilgestellte Geschichte" des Kapitals begreift, statt in eschatologische Spekulationen oder dualistische Simplifizierungen zu verfallen. Die Fähigkeit des Kapitals, alle Lebensbereiche zu durchdringen und selbst oppositionelle Tendenzen zu integrieren, verlangt eine tiefere, nicht-reformistische und nicht-dualistische Strategie, die auf die Überwindung der Wertform selbst abzielt, anstatt sich in ihren Erscheinungen zu verlieren.
Die ultimative Konsequenz ist, dass eine emanzipatorische Praxis nicht in der Nostalgie eines verlorenen Paradieses des Gebrauchs oder in der Schaffung isolierter Nischen bestehen kann. Sie muss sich der harten Realität stellen, dass das Kapital alle Bereiche des Lebens – inklusive unserer Bedürfnisse und sinnlichen Qualitäten – geformt und verdinglicht hat. Der Weg vorwärts liegt in der dialektischen Erkenntnis dieser Durchdringung und im bewussten Kampf um die Schaffung neuer, nicht-reifizierter Formen der sozialen Vermittlung, die über die Logik von Wert und Kapital hinausgehen. Nur so kann die Gesellschaft die inhärente Destruktivität des Kapitals überwinden und eine humane Zukunft gestalten.
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