Rilke verstehen: Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort (Gedichte-Karaoke 68)
Автор: Christian Ebbertz
Загружено: 2019-05-08
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Vortrag: 00:09
Kommentar: 01:03
Teleprompter: 04:35
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Hier hat niemand Angst, beschimpft oder kritisiert zu werden. Es geht auch weniger um die Eigenschaft des Menschen, alles klar zu benennen, als ob die Bennenung schon Erkenntnis bringen würde. Es geht durchaus um die Sprache selbst, die den Anschein von Klarheit vorgaukelt, auch dort, wo diese unmöglich ist.
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus
Dieses sind eigentlich willkürliche Beispiele für Benennungen, die vor allem der Alliteration zuliebe so gewählt werden. Und an Alliterationen hat Rilke hier wirklich Spaß.
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Benennen, so ist es hier wohl gemeint, heißt begrenzen und damit entzaubern.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
Natürlich glaubt der Sprecher nicht, dass die Menschen alles wissen: Der Umgang mit und in Sprache lässt sie, die Menschen das glauben: Benennen und behaupten erweckt den trügerischen Anschein, dass überhaupt abschließende Erkenntnis möglich ist. Daraus resultiert auch die Überheblichkeit, die spottendes Spiel (so ist wohl „Spiel mit dem Spott“ zu verstehen) statt sprachlosem Staunen gegenüber den Erscheinungen der Welt provoziert.
ihr Garten und Gut grenzt gerade an Gott.
Natürlich ist es nur die Vermessenheit des Menschen, der glaubt, die von ihm beherrschte und vor allem entschlüsselte Welt, sein „Garten und Gut“ reiche bis zur Sphäre des Göttlichen.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern!
Interessant ist, dass der Sprecher nicht seinerseits überheblich darüber urteilt, wie der Mensch seine Erkenntnismöglichkeiten falsch einschätzt.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an, sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Bennenen heißt entzaubern und schließlich sogar töten. Die sprachliche Durchleuchtung entlarvt die Dinge als unbelebt, geheimnislos.
Nur: Warum kann er sich denn nicht freimachen von dieser entzaubernden Vernennung der Welt? Warum kann er die Dinge nicht mehr „singen“ hören, wenn die sprachbasierte Erkenntnis anderer Menschen sie mit kalter, tödlicher Hand anfasst?
Wir dürfen uns den Sprecher hier nicht als konkretes Individuum vorstellen. Wir haben es mit einem hybriden, aufgespaltenen lyrischen Ich zu tun: Einmal ein gedachter Zeuge der Menschheitsgeschichte, der die Entzauberung der Welt durch das sprachbasierte Denken beobachtet. Gleichzeitig haben wir ein lyrisches Ich, das unwillkürlich selbst die Entzauberung der Welt durch begriffliche Durchdringung vollzieht - eine unweigerliche Folge der geistigen Reifung eines Heranwachsenden.
Später wird Rilke in dutzenden „Dinggedichten“ wie dem „Panther“ Worte benutzen, um die Dinge singen zu lassen und ihnen einen neuen Zauber zu verleihen.
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